Artikel aus der Sächsischen Zeitung

[Quelle: Thomas Zenker Sächsische Zeitung/ Fotos: Thomas Knorr]

Flutopfer an der Neiße geben auf

Von Thomas Zenker

Der Eisgarten Hellwig in Ostritz bleibt geschlossen. Einen neuen Start kann die Familie nicht bezahlen.


 

Ina Kerkhoff und ihre Mutter Irmgard Hellwig vom Ostritzer Eisgarten an ihrer zerstörten Eismaschine. Fotos: Thomas Knorr/privat

An der Zittauer Straße in Ostritz steht ein Schild, das nicht nur Kinderherzen höher schlagen lässt. In heißen Tagen ist hier schon so mancher abgebogen und hat sich schon vorher heimlich die Lippen geleckt. Auf dem Schild steht „Eisgarten Hellwig“. Es weist genau in Richtung Neiße. Dorthin, wo bis August 2010 auch viele Radfahrer vorbeikamen. Dann aber kam erst das Wasser und seitdem nicht viel. Vor allem nicht viel Hilfe vom Freistaat. Sagt zumindest ein Großteil der Betroffenen, darunter auch die Betreiberin des Eisgartens, Ina Kerkhoff. Lange hat sie noch gehofft und geträumt, geputzt und aufgeräumt. Aber jetzt hat sie aufgegeben: Die junge Frau hat gerade ihr Gewerbe abgemeldet. Vom Freistaat hatte sie mehr Unterstützung erhofft. „Das ist wirklich bitter“, erzählt sie nun. „Wir hätten in diesem Jahr unser 30-jähriges Jubiläum gehabt.“ Ihre Mutter, Irmgard Hellwig, Gründerin des Eiscafés, hat im Juli 1981 eröffnet. Schon damals hatte im August ein Hochwasser Schaden hinterlassen. Aber das war nicht mit dem im letzten Jahr zu vergleichen. Am 7. August hatten sie alles Wichtige 1,20 Meter hochgestellt. Das Wasser aber stieg dann auf 1,80 Meter. Die Flutwelle, die durch Ostritz rollte, warf im Eisgarten sogar die schweren gefüllten Eisschränke und Kühltruhen durcheinander. Möbel, Ausstattung, Kleinmaschinen und das fürs Wochenende vorbereitete Eis – alles war zerstört.

Dann wurde aufgeräumt. Freunde und Nachbarn halfen sich gegenseitig. Die Bundespolizei, bei der Ina Kerkhoffs Mann arbeitet, schickte mehrere Kollegen. Eine befreundete Familie spendete ein neues Badezimmer. Als die größten Aufräumarbeiten erledigt waren, fand die Euphorie aus der gegenseitigen Hilfe ein stilles Ende.

Eines Tages kam Mutter Irmgard Hellwig von Freunden zurück. „Die Oma hat bestimmt vier Stunden im Garten gesessen und kein Wort gesagt“, sagt Josef, der älteste Sohn der Kerkhoffs. Der Fünfzehnjährige erzählt, wie schwer es der Oma gefallen sei, zu begreifen, dass ihr Lebenswerk zerstört war. „Es war ja nicht nur der Eisgarten betroffen“, sagt Ina Kerkhoff. „Unser Haus und das Haus meiner Mutter standen genauso unter Wasser.“ So haben sie Prioritäten gesetzt.

Zuerst wurden die Wohnhäuser, so weit es ging, in Ordnung gebracht. Mit Privatkrediten bezahlten sie Lieferanten, denn Fluthilfe gab es privat, für den Eisgarten gab es nichts. Ein Zuschuss von der Sächsischen Aufbaubank wäre nur geflossen, wenn Ina Kerkhoff einen Kredit beantragt und auch bekommen hätte. „Das ist aber mehr als fraglich bei unseren kleinen Umsätzen“, erklärt sie. Außerdem sei dann die Belastung für einen Neustart zu hoch.

Sie hat ausgerechnet: „Selbst mit Gebrauchtgeräten brauchten wir mindestens 50000 Euro.“ Das Risiko will sie nicht eingehen. Schließlich stehen in den Wohnhäusern noch teure Reparaturen an. Jetzt sucht die junge Frau eine Arbeit, denn zu Hause sitzen möchte sie nicht. Sie hat nur Angst vor dem Sommer, wenn die Leute den Eisgarten suchen werden. Das Schild an der Straße wird sie abschrauben.

 

Wir geben auf

Auf Grund des Hochwassers im letzten Jahr sind wir wirtschaftlich nicht in der Lage den beliebten Eisgarten, der 2011 nun 30 jahre werden würde, aufrecht zu erhalten.
Durch das Hochwasser entstand uns ein Schaden von ca. 100.000 Euro. Bekommen haben wir von staatlicher Seite: 0,00 Euro. Spenden und andere zuwendungen: 0,00 Euro. Aus dem Soforthilfeprogramm bekamen wir: 0,00 Euro, weil der Schaden zu groß wäre und man somit das Geld besser anderen geben könne die damit das Geschäft wieder aufbauen können.
Uns ist es also somit nicht mal möglich das Gebäude wieder in Schuss zu setzen! Die gesamte Elektrik lag ebenso im Wasser wie auch der Boden des Gebäudes hochgekommen ist.
Nicht mal dafür gab es eine finanzielle Hilfe!
Somit geht ein Geschäft nach 30 Jahren still von der Bildfläche.
Ich bin betrübt darüber das es einem Staat und einem Land so unwichtig ist wie die Gewerbetreibenden, die jahrelang brav ihre Steuern gezahlt haben unterstützt werden!

Bei unseren Gästen möchte ich mich aber herzlichst bedanken. Jedes Jahr haben wir uns mit Euch auf die ersten Sonnenstrahlen gefreut um uns wieder in die Arbeit stürzen zu können.
Dieses Jahr werden es jetzt weinende Augen sein, aber wir hoffen Ihr behaltet uns alle in guter Erinnerung!

1. Mail an Focus Online versendet

Habe heute folgende Mail an focus online versendet:

Werte Damen und Herren,

ein wenig schockiert bin ich darüber wie schnelllebig doch unsere Medien sind!
Da passiert mitten in unserem Land eine Katastrophe und sobald das Wasser weg ist,
ist auch das Interesse weg.
Die unkomplizierte finanzielle Hilfe hat bisher keinen von uns erreicht!
Und wenn ich höre das für den gesamten betroffenen Landstrich 5 Millionen Soforthilfe gegeben werden,
wobei manche Betriebe hier alleine einen Schaden von 15 Mill. Euro haben, frage ich mich,
wie unkompliziert das doch ist.
Interessiert eine Katze in der Mülltonne die Menschen wahrlich länger als eine Katastrophe die viele Menschen
alles gekostet hat was Sie hatten?
Überall Spendenaufrufe für Pakistan….wo sind Spendenaufrufe für die betroffenen Gebiete Ostsachsens?
Sind wir hier Menschen 3. Klasse die nur Steuern zahlen dürfen, sobald sich aber einmal das Blatt
wendet und man selbst Hilfe braucht, keine bekommt?

Interessiert es die Medien nicht wie die “Hilfe” aussieht?
Ist es nicht Aufgabe der Medien DA mit Druck auszuüben damit unsere Politiker nicht immer nur leere Reden
schwingen sondern auch da helfen wo es gebraucht wird?
Im eigenen Land?

Ich bin enttäuscht das grade Medien wie Focus, Stern TV usw. sowenig Interesse an den eigenen Mitmenschen haben
nach so einem Schiksalsschlag!

MfG
I. Kerkhoff

Und ich werde weitere schreiben!

Liebe Leser, liebe Kunden

Seit einigen Tagen verfüge ich endlich wieder über Internet. Und da ich meinen Rechner retten konnte, werde ich in den nächsten Tagen versuchen so schnell wie möglich alle auf dem Laufenden zu halten.
In der Nacht vom 07. zum 08. August hat uns die schlimmste Flutkatastrophe in der Geschichte unserer Stadt heimgesucht. Und leider ist auch der beliebte Eisgarten Hellwig nicht verschont geblieben.

Ich bin gerade dabei das Bildmaterial zu sichten um Euch dann daran teilhaben zu lassen was hier passiert ist, denn die Medien haben sich inzwischen auf spektakulärere Ziele besonnen. Wir hier in unserer Stadt haben alle angepackt wo es ging um so schnell wie möglich die Schäden (sichtbar) zu beseitigen.

Die Schäden die wir alle seelisch und finanziell davon getragen haben, sind natürlich noch lange nicht beseitigt. Allein wenn es regnet zucken unsere Kinder zusammen, weil sie Angst haben das Wasser kehrt zurück.
Wir, also die Familie des Eisgartens sind Nachts um 23.30 uhr mit den Kindern aus dem Haus gegangen, weil bereits Bäume die Klosterstraße durchquerten und das Wasser unaufhaltsam stieg und stieg. Unser Kleinster der an diesem Tag seine Einschulung hatte, verließ unser Haus bereits als im das Wasser bis zu den Knien stand.

Der Eisgarten wird dieses Jahr nicht mehr öffnen, und ob es jemals einen Eisgarten Hellwig wieder geben wird, wird sich zeigen. Denn weitere Kreditbelastungen sind nicht tragbar.

Bei unseren Kunden möchten wir uns bedanken! DANKE das Ihr uns Jahrelang die Treue gehalten habt. Das Euch kein Weg zu weit war um unser Eis zu genießen.
Das Tragische an der ganzen Geschichte, oder nennen wir es Schicksal, ist, das als der Eisgarten am 01. Mai 1981 eröffnete, darauf im Juli ein Hochwasser kam. Und nun, fast 30 jahre später, stehen wir vor unseren verschlossenen Türen, durch eine Flut…

In diesem Sinne, bis bald mit vielen Infos wie:

  • Unser Hochwassertagebuch
  • Vorherbilder
  • Flutbilder
  • Nachherfotos
  • Infos wie es weiter geht

Euer Eisgarten-Team